Keine Jahreszeit ist so reich an Brauchtum wie die Advents- und Weihnachtszeit. Der Weihnachtsfestkreis des Kirchenjahres beginnt mit dem Andreastag, dem 30. November. Im Volksglauben ist die Andreasnacht eine bedeutende Losnacht, in der man das Schicksal befragen kann. Weitgehend erhalten hat sich in unserem Landkreis der Brauch, Zweige von frühblühenden Bäumen und Sträuchern, sogenannte Barbarazweige, zu brechen und ins Wasser zu stellen. Sie sollen dann an Weihnachten blühen. Barbarazweige gelten seit alters her als Glücksbringer.
Die „Klöpfernächte“ haben zweifellos ihren Namen vom Geräusch des Klopfens an Türen und Fensterläden, um Einlaß zu begehren. Der Brauch dürfte ursprünglich mit dem Dämonenglauben unserer Vorfahren in Zusammenhang stehen, denn Klöpfeln ging man an den drei Donnerstagen im Advent, also an den Tagen, an denen dem Volksglauben nach die heidnischen Winterunholdinnen ihr Unwesen trieben und die durch Lärmumzüge verjagt werden sollten. Das Klöpfeln lässt sich bis ins frühe 16. Jahrhundert belegen. Heute wird dieser Brauch vor allem noch in der Aschauer und Kraiburger Gegend geübt.
Der alte Brauch der „Herbergssuche“ hat sich in der Pfarrgemeinde Kraiburg a. Inn bis auf den heutigen Tag erhalten. Zehn Tage vor Weihnachten werden vier Krippen, die Maria und Josef auf der Herbergssuche darstellen, in das Gotteshaus getragen und vom Priester gesegnet, bevor sie den Weg zu den einzelnen Gastfamilien antreten. Am Heiligen Abend finden dann die „Herbergen“ Platz unter dem Lichterbaum.
Nach jahrzehntelanger Pause lebte 1981 in Erharting die alte Tradition des Stephaniumrittes wieder auf (siehe Bild links). Auf geschmückten Festwagen werden folgende Themen dargestellt:
Steinigung des hl. Stephanus, die Weihnachtskrippe, der hl. Isidor, die Hinrichtung der hl. Barbara und der hl. Florian.
Die weihnachtlichen Warenmärkte sind altes Brauchtum und haben eine lange Tradition. Sie lassen sich in unserem Landkreis bis zum Jahr 1800 zurückverfolgen.
Eine Anzahl weihnachtlicher Bräuche ist heute noch im engeren Familienbereich in ländlichen Gebieten lebendig, wie beispielsweise das „Rauchen“ am Heiligen Abend, an Silvester und am Dreikönigstag. Haus und Stall werden mit Weihrauch, Weihwasser und Kräutern ausgeräuchert, wobei man dem Rauch die Kraft zuschrieb, den bösen Feind zu vertreiben.
Wie die Klöpfler vor Weihnachten, so wandern um Dreikönig die Sternsinger, Gaben erbetend, von Haus zu Haus. Erstmalig erwähnt wurden die Sternsinger 1590 im Kloster St. Veit.