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Fasching, Fastenzeit und Ostern
Der Fasching dauert von Dreikönig bis Aschermittwoch und besteht in der alten bayerischen Terminologie aus zwei Teilen: dem Fasching und der Fastnacht. Diese wird eingeteilt in den Unsinnigen Donnerstag, den Rußigen Freitag, den G’schmalzenen Samstag und den Faschingssonntag, -Montag, -dienstag. Ähnlich wie in München findet in den Innstädten Mühldorf a. Inn und Kraiburg a. Inn ein Schäfflertanz statt.
Zum Fasching gehören auch bäuerliche Faschingshochzeiten, bei denen alle mit einer Hochzeit zusammenhängenden Umstände vom Kammerwagen bis zum unehelichen Kind, der Streit um den Austrag, der Gang zum Notar als Groteske dargestellt werden.
In der Fastenzeit haben sich im Mühldorfer Raum noch zwei Bräuche erhalten. Weithin bekannt sind die Fisslklinger Fastenpredigten, die jeweils an den drei Freitagen vor Ostern stattfinden und die Mettenheimer Fastenandachten, bei denen sich noch ein selten gewordener barocker Brauch erhalten hat. Das Altarbild wird entfernt. Statt dessen wird eine Fastenkrippe aufgestellt, die Christus und einen Engel zeigt. Eine Einmaligkeit im Landkreis ist das altbayerische Passionssingen in der Kirche von Obertaufkirchen.
Wie an anderen Orten auch hat sich am Palmsonntag eine Veränderung ergeben. Wurden die Palmbuschen in früherer Zeit noch auf lange Stangen gesteckt, so haben sie sich heutzutage zu Handsträußchen zurückentwickelt, denn nur so passen sie ins Auto.
Das „Ratschen“ (ein alter Lärmbrauch) wird im Landkreis mit verschiedenen Formen von Karfreitagsratschen geübt. Während in nördlichen Landkreis die Turmratschen meist waschbrettartig flach sind, sind die großen Ratschen im südlichen Landkreis eher kistenförmig. Eine Eigentümlichkeit gibt es heute noch in Mettenheim Die dortigen Ministranten ziehen mit ihren Klappern am Mittag des Karfreitag um die Pfarrkirche und sprechen dabei alte Ratschverse. Von den Bäuerinnen bekommen sie dafür eine Handvoll Ostereier.
Der alte Brauch des österlichen Feldumganges ist in vielen ländlichen Gemeinden noch lebendig. Am Ostersonntag, mitunter auch Ostermontag, wird vom Bauern unter Begleitung aller Hausbewohner das Winterfeld (Roggen- und Weizensaatfeld) unter Abbetung eines Rosenkranzes abgegangen. Palmzweige und Schalen von geweihten Ostereiern werden an die Ecken des Feldes gesteckt.
Über zwanzig Jahre ist es nun her, dass der Verein für Heimatpflege in Kraiburg a. Inn einen alten Brauch aus der Barockzeit wieder aufleben ließ. das Ostermärlein. Seit dieser Zeit darf in einer Kirche des Pfarrverbandes Kraiburg a. Inn bei der andacht am Ostersonntag gelacht werden. Der Prediger erzählt dann immer das sogenannte „Ostermärlein“: die Christenlehre einmal heiter betrachtet.
Am 23. April hat St. Georg sein Patrozinium. Der Heilige genießt noch heute als Viehheiliger bei der Landbevölkerung ein großes Ansehen. Der Sonhamer Georgiumritt, seit 1982 bezeugt, wurde bis 1959 alljährlich mit großem Aufwand durchgeführt. Infolge von Rossmangel und Rationalisierung in der Landwirtschaft wurde er eingestellt und erlebte erst 1975 seine prächtige Auferstehung. Zwischenzeitlich hat sich in Taufkirchen ein Georgiverein etabliert, so dass dieses alte Brauchtum wieder ein festes Fundament erhalten hat.
In Neumarkt-Sankt Veit wird der St.-Georgs-Tag mit einer besonderen Feier begangen. Mit der alljährlichen Georgifeier gedenken die Neumarkter der 658 bayerischen und 781 österreichischen Soldaten, die in der blutigen Schlacht von 24. April 1809 vor den Toren der Stadt ihr Leben verloren. Der heilige Georg spielt auch in Kraiburg a. Inn als Patron der Schlossbergkapelle eine bedeutende Rolle. Jeweils am 24. April begeht die Pfarrgemeinde Kraiburg a. Inn in der Schlosskapelle das Kirchenpatronzinium. Das heilige Amt einst dem Stifter der Kapelle gewidmet.
Auch das Maibaumaufstellen hat in unserem Raum eine lange Geschichte. In den Salzburger Forstverordnungen von 1755 stoßen wir auf erste Nachrichten. Gemäß eines Erlasses war das Schlagen von „Maybäumen“ in den salzburgisch-mühldorferischen Wäldern „streng verboten“. König Ludwig I. von Bayern verhalf durch einen Erlaß im April 1872 dem Maibaum zu seinem alten Ansehen. Seit dieser Zeit werden alljährlich im Landkreis Mühldorf a. Inn in zahlreichen Orten Maibäume aufgestellt.
An Christi Himmelfahrt wird in der Pfarrgemeinde Oberneukirchen ein alter Brauch geübt. Die Statue eines auferstandenen Heilandes wird durch das Kirchengewölbe emporgezogen. Langsam schwebt die an einem Seil befestigte Figur des Erlösers mit der Siegesfahne zur Decke empor und verschwindet dann im „Heilig-Geist-Loch“, einer runden Öffnung in der Mitte des Kirchengewölbes. Dieser alte Brauch ist hierorts sicher schon an die 400 Jahre alt. Von dieser figürlichen Darstellung hat der Tag im Mühldorf Raum seine volkstümliche Bezeichnung „Auffahrtstag“ bewahrt.
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