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Geschichte des Landkreises Mühldorf a. Inn
Weitere geschichtliche Ausführungen
Dr. Hans-Rudolf Spagl
Die Spuren einer menschlichen Besiedlung in unserem Landkreis reichen zurück bis in prähistorische Zeiten, wie die archäologischen Funde aus der Stein- und Bronzezeit belegen, die im Mühldorfer Kreismuseum zu besichtigen sind. Lange Zeit beherrschten die Kelten das Terrain, bis die Römer kamen und das Land in Besitz nahmen. Sie hinterließen auch bei uns eindrucksvolle Spuren, so am Sollerholz an der Landkreisgrenze zu Töging a. Inn, in Weilkirchen oder in einem Siedlungsbereich in Kraiburg a. Inn, wo erst in jüngster Zeit ein sehr schönes römisches Fußbodenmosaik und Grundmauern einer Gebäudeanlage entdeckt wurden. Die Römer wurden abgelöst von den Bajuwaren, die sich nach heutiger Auffassung aus der keltischen Restbevölkerung, aus verbliebenen Romanen und zugewanderten germanischen Volksgruppen – vor allem aus Nordost – um 520 n. Chr. Als neuer Stamm herausbildeten. Eindrucksvoller Beleg dafür ist das bajuwarische Gräberfeld in Weiding (Gde. Polling). In 161 Gräbern wurden bedeutende Grabbeigaben gefunden, welche diese Mischkultur und die gleichzeitig hohe Kunstfertigkeit der Bajuwaren belegen.
Später als diese „-ing-Orte“ entstanden die Siedlungen, deren Namen auf –haim, (ham), -hofen und –kofen, berg, und –dorf enden. Aus Urkunden, viele vor dem Jahr 1000 entstanden, lassen sich Rückschlüsse über das Alter der Orte machen.
Doch aus den Urkunden geht noch anders hervor. Das Herzogengeschlecht der Agilolfinger, das bis 788 in Bayern regierte, hat den Salzburger Bischöfen mancherlei Grund und Boden samt den Bewohnern zum Geschenk gemacht. Ihrem Beispiel folgten auch Adelige, die im Lande ihre Güter hatten, so daß sich im bayrischen Hoheitsgebiet verstreut nicht wenige salzburgische Untertanen befanden. Als Verwaltungsmittelpunkt für sie errichtete man in Mühldorf, das erstmals am 16.Mai 935 urkundlich erwähnt wurde, ein Voitgericht. Die Landeshoheit blieb aber nach wie vor bei Bayern, die durch Landgerichte Neumarkt- Mörmoosen, Neuötting, Kraiburg und Kling ausgeübt wurde. Bei den vielfach unklaren Rechtsverhältnissen kam es zu ständigen Reibereien zwischen den bayerischen und salzburgischen Behörden. Ein ganzer besonderer Zankapfel war die heutige Kreisstadt Mühldorf. Da der Erzbischof nicht nur – wie beim Voitgericht – die Niedere Gerichtsbarkeit besaß, sondern auch die Obere, die ihn berechtigte, durch seinen Mühldorfer Pfleger auch schwere Verbrechen zu sühnen, leitete der Erzbischof von Salzburg hieraus das Recht der Landeshoheit über die Stadt Mühldorf ab, was den heftigen Protest Bayerns hervorrief.
Wenn sich im Wappen des Landkreises der goldene bayerische und der schwarze salzburgische Löwe angriffslustig gegenüberstehen, so deutet das auch darauf hin, dass es über Jahrhunderte immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Denn die bayerischen Herzöge versuchten, sich der Stadt Mühldorf zu bemächtigen, die – einer Trutzburg gleich – mitten in ihrem Territorium lag. Doch alle Bemühungen, die salzburgische Enklave zu erobern, scheiterten. Man versuchte deshalb zu einvernehmlichen Regelungen zu kommen. Aus dem Jahre 1527 stammt ein Salbuch, das von Bayern und Salzburg gemeinsam erstellt wurde. In ihm waren für alle in der Mühldorfer Gegend lebenden Untertanen Salzburgs die Rechte und pflichten festgelegt, ebenso wie die Kompetenzen, die der bayerische Landrichter und der Vogtrichter in Mühldorf hatten. Doch der grundlegende Konflikt zwischen Bayern und dem Erzbistum Salzburg war damit nicht gelöst. Aus den ständigen Beschwerden der Bürger und des Mühldorfer Vogtrichters geht hervor, dass die Bayern nicht nur immer neue Schikanen erfanden, sondern auch versuchten, die salzburgischen Rechte zu beschneiden.
Für die Salzburger Landesherren war es wiederum von entscheidender Bedeutung, daß der Handelsstützpunkt Mühldorf für das Fürstentum erhalten blieb. Dem klugen und umsichtigen Handeln des Erzbischofs Paris Graf Lodron ist es zu verdanken, daß die Stadt Mühldorf, die 1648 – fast am Ende des Dreißigjährigen Krieges – von den Schweden besetzt wurde, glimpflich und ohne großen Schaden davonkam.
Der Konflikt zwischen Bayern und dem Erzbistum Salzburg wurde erst im Jahre 1802 beigelegt, als Mühldorf im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses und der Säkularisationen endgültig an den bayerischen Staat fiel. Nachdem nun die unklaren Rechtsverhältnisse ihr Ende fanden, ging der bayerische Staat daran, sein vergrößertes Territorium neu zu gliedern. Damit wurden gleichzeitig Strukturen verändert, die sich über Jahrhunderte entwickelt hatten. Denn die territoriale Neuordnung Bayerns fasste auch im Mühldorfer Raum Gebiete zusammen, die bislang wenig oder nichts miteinander zu tun hatten. So hatte z.B. Neumarkt-Sankt Veit, die Eingangspforte zum Rottal, immer zu den niederbayerischen Kernlanden gehört. Und auch Kraiburg a. Inn, gegründet von den Landshuter Herzögen und neben Neuötting über Jahrhunderte hindurch schärfster Konkurrent Mühldorfs als Schiffsanlegestelle, wurde dem Bezirk zugeordnet.
Eine vordringliche Aufgabe bestand nun darin, ein neues regionales Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen, das es aufgrund der historischen Gegebenheiten bislang nicht gegeben hatte. Das mußte nicht nur im Mühldorfer Raum, sondern überall in Bayern, bewältigt werden. Von nicht geringer Bedeutung für das Zusammenwachsen der Regionen war hierbei die Errichtung neuer Verwaltungsstrukturen. In ganz Bayern ging man daran, den Staat neu zu ordnen. Dabei sollten neue Verwaltungsgebiete, ein effektiverer Beamtenapparat, eine funktionierende Justiz und ein besseres Schulwesen entstehen.
Da die Stadt Mühldorf a. Inn für die Region nie zentrale Funktionen ausgeübt hatte, ergaben sich durch die unter Monteglas bayernweit durchgeführten Reformen neue Kompetenzen und Zuständigkeiten. Neue Ämter und Behörden nahmen ihren Sitz in der Stadt. Damit waren auch richtungsweisende infrastrukturelle Maßnahmen verbunden. An Mühldorf – über Jahrhunderte ein Exklave inmitten bayerischen Gebietes, das als Ausland angesehen wurde – führten wichtige Straße und Postwege vorbei. Verbindungen in das Umland und in die Hauptstadt München waren aber von besonderer Wichtigkeit. Der technische Fortschritt förderte die Integration Mühldorfs schließlich ganz von selbst. Als am 1. Mai 1871 die Bahnlinie Neuötting eröffnet wurde, war der Landkreis an ein modernes Verkehrsnetz angeschlossen. Das bedeutete vor allem für die Bahnhofsstädte einen Entwicklungsschub, die jetzt zu wichtigen Verkehrsknotenpunkten wurden, in denen sich Handel und Wandel rasch entwickeln konnten. Doch der Fortschritt forderte auch seinen Tribut. Durch die Einführung der Eisenbahn und dem Bau neuer Straßen wurde die Innschifffahrt immer unrentabler, so dass sie schließlich ganz eingestellt wurde.
Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs verlief die Entwicklung des Landkreises – damals „Bezirksamt“ Mühldorf – im ganzen ruhig und stetig. Das traditionelle bäuerliche Leben war zugleich Grundlage für den Handel und das Kleingewerbe in den Hauptorten Mühldorf , Neumarkt-Sankt Veit, Kraiburg a. Inn oder Buchbach. Am 18. Juni 1914, wenige Wochen vor Ausbruch des Krieges, machten die Honoratioren des Bezirks Mühldorf, an der Spitze der neue Bezirksamtmann Otto Späth in Galauniform, dem bayerischen König Ludwig III. in Neumarkt- a.d. Rott ihre untertänigste Aufwartung. Die Nachkriegswirren mit der Räterepublik 1919 überstand man im Bezirk Mühldorf ganz leidlich, auch wenn am 25. April dieses Jahres in der Stadt Mühldorf a. Inn der Belagerungszustand ausgerufen wurde, nachdem Münchener Rotgardisten und Spartakisten die Stadt besetzt hielten. Am 30. April gelang es mit Hilfe des „Freiwilligencorps Chiemgau“ wieder halbwegs Ruhe zu schaffen. Wie überall in Bayern, so brachten die politischen Nachkriegsverhältnisse auch im Landkreis immer wieder Unruhe und Parteienzwist mit sich. Unbeeindruckt von diesen wirren trieb man die Stromgewinnung aus Inn und Alz voran. Es entstand das benachbarte Chemiedreieck Trostberg-Burghausen-Töging. Mit dem Bau des Innkanals und der Innstaustufe Jettenbach wurde damit auch der Landkreis Mühldorf a. Inn in die moderne technische Zeit eingebunden. 1931 fuhr der letzte Postillion nach Oberneukirchen, bald aber abgelöst vom gelben Postbus. Noch hielt sich im Bezirk die Motorisierung freilich in Grenzen: Man zählte 740 Motorräder, 250 Personenkraftwagen, 50 Lastautos und 10 Traktoren. (Die Vergleichszahlen heute, Mitte 1994: 3743 Motorräder, 49219 PKW, 2440 LKW und 8095 Zugmaschinen.)
Dabei wirkten sich Inflationszeit und Weltwirtschaftskrise um 1930, das Aufkommen rechts- und linksradikaler Gruppen und die Massenarbeitslosigkeit im Bereich des Landkreises – aus heutiger Sicht gesehen – weniger dramatisch aus als in den Großstädten oder den Industriegebieten am Rhein. Auch fand die „Hitlerbewegung“ hier in Stadt und Land auch zu Beginn der Wirtschaftskrise deutlich weniger Zustimmung als andernorts. Noch dominierte die Bayerische Volkspartei.
Im Juni 1931 versammelte die NSDAP aber immerhin um die 5000 Teilnehmer am „Hitlertag“ im Mühldorf, auf dem der neue „Führer“ sein Programm der geduldigen Menge in und vor der Gewerbehalle verkündete. Überwiegend waren es neugierige aus Mühldorf und dem Umland; über 2000 kamen von auswärts, vor allem aus München, und viele aus Österreich.
Waren es vor der „Machtübernahme“ Hitlers am 30.Januar 1933 im Landkreis an die 200 Parteigenossen (einschließlich SA-, SS-und Hitlerjugendmitglieder, davon in der Kreisstadt etwa 135 und in Kraiburg a. Inn rund 20), so stieg deren Zahl schon im ersten Halbjahr steil an. In Kraiburg a. Inn zählte die SA im Mai 1933 bereits 150 Mann. Kurz nach den Wahlen vom 5. März war in Mühldorf a. Inn eine Marschabteilung der SA vor dem Bezirksamt auf dem Stadtplatz aufgezogen. Im ersten Stock des Gebäudes hißte man nach einer Ansprache des Kolonnenführers die Hakenkreuzfahne. SA-Leute mit Gewehren bewachten sie, vor allem gegen die Kommunisten, die immerhin noch 7 % der Stimmen erreicht hatten. Die Bayerische Volkspartei, bisher weit führend, war nur mehr auf 32 % gekommen, die NSDAP aber schon auf 35 %.Das NS-Regime sorgte sogleich auch im Kreis Mühldorf für die „Gleichschaltung“ des öffentlichen Lebens. Organisiert wurde alles und jeder mit Propaganda und zunehmend zwangsweiser Nachhilfe. Kreistage mit Aufmärschen der braunen Formationen und andere Parteiveranstaltungen beherrschten den Jahresablauf.
Stadt- und Gemeinderäte wurden nicht gewählt, sondern je nach brauner Linientreue bestimmt und eingesetzt. Bezirksamtmann und Kreisverwaltung hatten sich immer mehr nach den Direktiven der Partei auszurichten. Über das kommunale Geschehen wurden presse und Öffentlichkeit vom „Kreisamt für Kommunalpolitik“ informiert, so zum Kreistag 1939 mit einem Bericht, der alles enthielt, was seit 1933 unter dem NS-Regime abgelaufen oder – meist in Gemeinschaftsarbeit – durchgeführt worden war. Während für die NS-Partei 1935 ein neues Gebäude für die Kreisleitung errichtet wurde, verblieb der Bezirksamtmann (ab Ende 1939 umbenannt in „Landrat“) im Haus Nr. 48, dem heutigen Vermessungsamt am Mühldorfer Stadtplatz.
Ab 1935/36 wurde die deutsche Wirtschaft vordringlich auf Rüstung ausgerichtet, was für den Landkreis einen großen strukturellen und sozialen Umbruch bedeutete. 1935 begann man mit dem Bau des Flugplatzes Mettenheim, 1936/37 entstanden im Kraiburger Wald und bei Aschau ausgedehnte Sprengstofffabriken nach modernster Bauart. Kein Wunder, dass auf diese Weise bald ein großer Mangel an Arbeitskräften herrschte. In einem Bericht vom Mai 1939 des Arbeitsamts Mühldorf a. Inn, dessen Bereich damals neben dem Landkreis Altötting auch den Amtsgerichtsbezirk Dorfen umfasste, wird mitgeteilt, dass zur Milderung des Arbeitskräftemangels Leute aus Italien, Jugoslawien und aus Polen in der heimischen Landwirtschaft und Industrie beschäftigt werden mussten.
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| Ruinenbogen eines Flugzeugbunkers im Mühldorfer Hart, südlich von Mettenheim. |
Nach Kriegsbeginn und der Besetzung Polens, Frankreichs, Jugoslawiens und Griechenlands 1940 und nach dem Einmarsch in die Sowjetunion 1941 wurden von dort nicht nur Kriegsgefangene zur Arbeit eingesetzt, sondern auch zwangsweise verpflichtete Zivilisten. Die Öffentlichkeit erfuhr darüber nur wenig, denn Zeitungen mussten sich über diesen Punkt ausschweigen. Dabei geht aus dem Monatsbericht des Landrats vom 3. Februar 1943 hervor, dass der Arbeitsamtsbezirk Mühldorf a. Inn, der damals auch den größten Teil des Chemiedreiecks umfasste, prozentual den zahlenmäßigen Höchsteinsatz an Ausländern an allen Arbeitsämtern in Bayern aufwies (nach: Peter Müller in „Das Mühlrad“ 1982). Diese Monatsberichte, die in Bayern seit der ersten Hälfte es 19. Jahrhunderts über die Regierungsbezirke dem Innenministerium vorzulegen waren, unterlagen während des Krieges der besonderen Geheimhaltung. Dies aber nicht allein wegen militärischen Vorgänge. Vielmehr waren es kritische und miesmachende Stimmungen in der Bevölkerung, Straftaten und auch Sabotageakte in den Rüstungsbetrieben. Welche der Öffentlichkeit vorenthalten werde mussten.
Gegen Ende des Krieges blieb auch der Landkreis Mühldorf a. Inn vom Luftkrieg nicht verschont. Im März und April 1945 beklagte man bei Bombenangriffen auf Mühldorf und das Werk Kraiburg der DSC (Deutsche Sprengchemie) viele Todesopfer. Im ganzen Landkreis werden Angriffe von alliierten Tieffliegern auch auf Einzelpersonen gemeldet. Eine große Belastung für die Landkreisverwaltung sind neben der Kriegsbewirtschaftung vor allem ausgebombte Großstädter und seit dem19. März 1945 auch obdachlos gewordene Mühldorfer, die in den Landgemeinden untergebracht werden müssen. Neben dem Wohnungsamt ist es das Ernährungsamt B., das für die karge Zuteilung an Nahrungsmitteln zu sorgen hat (das Ernährungsamt A war dem parteiorientierten Reichsnährstand zugeordnet).
Im Sommer 1944, als sich die deutschen Kriegsfronten schon überall auf Rückzug befanden, versuchte die deutsch Rüstungsmaschinerie in letzter großer Anstrengung Wunderwaffen zu produzieren, welche den vielbeschworenen „Endsieg“ von Hilter-Deutschland herbeiführen sollten. Dazu gehörte auch der neu entwickelte Düsenjäger Me 262, der im Mühldorfer Hart und in Kauferung bei Landsberg in Großserie gehen sollte (monatlich 900 Stück). Es entstand eine riesige Baustelle, die von 600 Mann der Organisation Todt (OT) vorbereitet in Betrieb genommen wurde. Die technische Durchführung wurde einer größeren Baufirma und einigen kleineren Betrieben übertragen. Den Großteil der Arbeitskräfte bildeten Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und vor allem Häftlinge des KZ-Außenkommandos Dachau, insgesamt bis Kriegsende 7500 Männer und 800 Frauen, überwiegend Juden. Im Kreismuseum Mühldorf a. Inn im Lodronhaus wird auf diesen Abschnitt der Zeitgeschichte und bis kurz nach Kriegsende eine besondere Dokumentation gezeigt.
Das Kriegsende und die erste Nachkriegszeit stellten den Landkreis und die von der Militärregierung beaufsichtigte Landkreisverwaltung vor völlig ungewohnte Aufgaben. Die Probleme waren vor allem: Zusammenbruch von Wirtschaft und Verkehr, Wohnungsnot durch den Flüchtlingsstrom aus den Ostgebieten, Mangel an Nahrungsmitteln und Versorgungsgütern aller Art, Heizmaterial, Enthebung der Parteigenossen von wichtigen Ämtern, Seuchengefahr oder mangelnde Sicherheit. Plünderungen in Geschäften und im ländlichen Bereich.
Als man nach der Schreckenszeit wieder an den Aufbau gehen konnte, fanden viele Vertriebene und Flüchtlinge in unserem Landkreis eine neue Heimat. Mit Fleiß, Einsatzwillen und Optimismus machte man sich daran, eine neue Lebensgrundlage aufzubauen.
Dabei wurden auch „kleine Wunder“ vollbracht. Waldkraiburg beispielsweise, entstand auf einem ehemaligen Rüstungsgelände der Wehrmacht, wuchs derart rapide, dass der Ort schon 1960 zur Stadt erhoben wurde. Waldkraiburg, mit 25000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis, ist nur ein Beispiel für die Leistungsbereitschaft und den Aufbauwillen der Landkreisbevölkerung.
Weit über ein Jahrhundert blieb der Landkreis Mühldorf a. Inn seiner Fläche nach unverändert. Diese Zeitspanne ließ aus, den vorher so verschieden strukturierten Teilgebieten doch allmählich eine Einheit mit der Stadt Mühldorf a. Inn als Mittelpunkt einstehen. Diese Gebietsreform der siebziger Jahre brachte wesentliche und einschneidende Veränderungen mit sich. So wurde im Osten Mörmoosen dem Landkreis Altötting eingegliedert, im Süden fielen die Gemeinden Peterskirchen, Maisenberg und Eiting an den Landkreis Traunstein. Im Westen des Altlandkreises Mühldorf a. Inn ging die Gemeinde Schwindkirchen an den Landkreis Erding. Dieser Gebietsverlust wurde durch Eingliederung des Garser und Haager Gebietes aber mehr als ausgeglichen; eingegliedert wurden: Gars a. Inn, Haag i. OB, Kirchdorf, Maitenbeth, Rechtmehring, Reichertsheim und Unterreit. Die ehemals freie Reichsgrafschaft Haag i. OB war als kaiserliches Lehen jahrhundertlang im Besitz der Fraunberger. Nach dem Aussterben dieses Grafengeschlechtes im Jahr 1566 wurde die Grafschaft von den Wittelsbachern erworben und schließlich ab 1688 als Kabinettsherrschaft von München aus verwaltet.
Die Montgelasschen Reformen bedeuteten das Ende der Reichsgrafenschaft. Haag i. OB wurde dem Bezirksamt Wasserburg a. Inn zugeordnet und schließlich 1972 dem Landkreis Mühldorf a. Inn eingegliedert.
Der Landkreis Mühldorf a. Inn in seiner heutigen Form besteht seit der Kreisreform von 1972. Ging es in den früheren Jahrhunderten nur darum, Herrschaftsgebiete zu vergrößern, so stehen heute die Belange der Menschen im Vordergrund. Nur durch leistungsfähige Gemeinden kann die Zukunft gesichert und unsere liebenswerte Heimat erhalten werden. Und auch ein Landkreis ist nur so stark, wie es seine Mitgliedsgemeinden sind.
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