Tollwut

Gefahr für Mensch und Tier

Was ist Tollwut?
 

Tollwut ist eine ansteckende, tödlich verlaufende Krankheit, die von Tier zu Tier, aber auch vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann.
 

Wo kommt die Tollwut vor und durch welche Tierarten wird sie hauptsächlich verbreitet?
 

Sie tritt nahezu weltweit auf.
 

Europa wurde nach dem 2. Weltkrieg von einem Seuchenzug aus dem Osten erfasst, der bis zum heutigen Tag noch nicht völlig ausgelöscht werden konnte.
 

In Mitteleuropa ist der Rotfuchs der Hauptüberträger der Tollwut, in Nordamerika sind es in erster Linie Skunks und Waschbären. Fleischfresser wie Hund und Katze stellen in Asien und Afrika das Hauptreservoir. In Mittel- und Südamerika spielen blutleckende Fledermäuse (Vampire) eine wichtige Rolle für die Gefährdung des Menschen und der Haustiere durch Tollwut.
 

Aber auch in ganz Europa besteht die Gefahr einer Ansteckung mit der Fledermaustollwut. In Deutschland sind in den Jahren 2003 und 2004 jeweils 13 infizierte Fledermäuse aufgefunden worden.
Fassen sie deshalb niemals eine Fledermaus ohne Handschuhe an!
 

Wie wird die Tollwut übertragen?
 

Der Erreger ist ein Virus, das in der Regel mit dem Speichel eines infizierten Tieres zumeist durch Biss übertragen wird. Bei verletzter Haut ist außerdem eine Übertragung durch Belecken möglich.
Eine weitere Eintrittspforte kann die Schleimhaut sein (z.B. Auge).
 

Achtung: Schon einige Tage vor Ausbruch der Erkrankung beim Tier befinden sich die Tollwutviren im Speichel!
 

Wie lange kann es dauern bis zum Ausbruch der Krankheit?
 

Diese sogenannte Inkubationszeit beträgt im Durchschnitt 10 Tage bis 3 Monate. Sie kann auch kürzer oder erheblich länger sein. Dies hängt insbesondere davon ab, wie viel an Virusmenge aufgenommen wurde und wo am Körper die Eintrittspforte liegt. Die längste beim Menschen beschriebene Inkubationszeit wird mit 2 Jahren angegeben, die kürzeste mit 5 Tagen.
 

Wie kann man Haustiere vor der Tollwut schützen?
 

Haustiere wie Hunde und Katzen können und sollen vorbeugend gegen die Tollwut geimpft werden.
 

Die Impfung ist eine Maßnahme zum Schutz der Gesundheit der Haustiere und dadurch mittelbar auch des Menschen; durch geimpfte Tiere wird die Tollwut nicht auf den Menschen übertragen! Viele Staaten fordern deshalb bei der Einreise von Hunden und Katzen den Nachweis der Tollwutschutzimpfung.
 

Wie sehen die Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Tollwut aus?
 

Wegen ihrer Allgemeingefährlichkeit unterliegt die Tollwut nach tierseuchenrechtlichen Bestimmungen der Anzeigepflicht.
 

Die mit Abstand wirkungsvollste Maßnahme gegen das Seuchengeschehen stellt die orale Immunisierung der Füchse dar. Dies geschieht durch regelmäßiges Auslegen bzw. Abwerfen aus Flugzeugen von „Ködern“ in Seuchengebieten.
 

An Erfahrungen aus der Schweiz anknüpfend wurde diese Impfaktion 1983 in Oberbayern gestartet und ist als sog. „Bayerisches Modell“ mittlerweile im gesamten Bundesgebiet und in vielen Ländern Europas zur Anwendung gekommen. Die Köder sind ca. 3 x 4 cm groß, bestehen aus gepresstem Tier- und Fischmehl, einem Markierstoff zur späteren Kontrolle und haben in Innern eine Impfstoffkapsel versteckt. Der Fuchs spürt den etwas streng riechenden Köder als Appetithappen auf und setzt beim Hineinbeißen den Impfstoff frei. Damit impft er sich sozusagen selbst gegen die Tollwut und kann diese Krankheit nicht mehr weiterübertragen. Die Infektionskette reißt ab.
 

Wie sieht das Krankheitsbild der Tollwut aus?
 

Bei Tieren verläuft die  Tollwut meist akut und endet in 4 – 10 Tagen tödlich.
 

Im Vordergrund steht die Veränderung im Wesen und Verhalten:
Zustände erhöhter oder verminderter Erregung, Aggressivität oder Benommenheit und schließlich Lähmungen, die zum Tode führen. Das hervorstechendste Symptom bei der Wildtiertollwut stellt der Verlust der angeborenen Scheu dar sowie die Orientierungslosigkeit und die Beißsucht. Füchse dringen in Ortschaften ein und raufen beispielsweise mit Hunden und Katzen. Rehe rennen gegen Bäume an, können sogar Personen angreifen. Auffallendes Merkmal bei Dachs und Marder ist die Angriffslust gegenüber Menschen und Hunden.
 

Wie wird die Diagnose gestellt?
 

Eine endgültige Aussage über das Vorliegen einer Tollwuterkrankung kann ausschließlich durch die Untersuchung des Gehirns nach dem Tod des verdächtigen Tieres erfolgen. In Bayern ist für diese Untersuchung das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim zuständig.
 

Was soll man nach einem Biss oder Kontakt mit einem tollwutkranken oder –verdächtigen Tier tun?
 

1.      Ruhe bewahren, keine Panik!
 

2.      Nach ärztlichen Empfehlungen soll eine sofortige Wundversorgung erfolgen d.h. jede
   Bisswunde schnellstmöglich mit Seife und Wasser
 

3.      auswaschen, notfalls mit Wasser allein. Seifenlösung anschließend mit klarem Wasser
   gut ausspülen und ein greifbares Desinfektionsmittel (z.B. Jod oder 40 – 70 %-iger
   Alkohol) reichlich auf die Wunde geben.
 

4.      In jedem Fall Hausarzt oder nächsten erreichbaren Arzt aufsuchen, der die endgültige
  Wundversorgung vornimmt und die Schutzimpfung gegen die Tollwut einleitet.
  Keine Angst! Es stehen heute sichere Impfstoffe zur Verfügung. Wichtig ist der
  Grundsatz: Je früher die Impfung, desto besser!
 

5.      Auch bei einem Kontakt ohne Biss kann unter Umständen eine Schutzimpfung
   notwendig werden. Fragen Sie in jedem Fall Ihren Arzt!

 

TOLLWUT IM LANDKREIS MÜHLDORF AM INN
 

Seit 1994 ist im Landkreis Mühldorf am Inn kein Fall von Tollwut mehr aufgetreten. Dies wurde erreicht durch die Impfung der Füchse mit impfstoffhaltigen Ködern.
Die Impfung wurde im Landkreis von 1983 bis 1998 (mit Unterbrechungen) durchgeführt; seither ist sie eingestellt, da eine Ansteckung der Füchse bei uns momentan nicht mehr wahrscheinlich ist.
 

Als Sicherheitsmaßnahme wird weiterhin jährlich eine repräsentative Anzahl von erlegten und tot aufgefundenen Füchsen aus dem Landkreis Mühldorf zur Untersuchung auf Tollwut an das zuständige Labor des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim übersandt.
 

TOLLWUTSITUATION IN BAYERN
 

Durch die konsequente Impfung der Füchse konnte das Tollwutgeschehen in Bayern nahezu zum Erliegen gebracht werden. Nur in Unterfranken treten noch sehr vereinzelt Fälle auf.
Mit einer Neueinschleppungen muss jedoch jederzeit gerechnet werden.
 

Tollwutfälle in Bayern:
1997: 1 Wildtier und 1 Haustier in Unterfranken
1998: 1 Wildtier in Unterfranken
1999: 5 Wildtiere und 3 Haustiere in Unterfranken
2000: 55 Wildtiere und 2 Haustiere in Unterfranken
2001: 3 Wildtiere in Unterfranken
2002: Ein aus Aserbaidschan eingeführter Hund in Oberfranken
seit 2003: keine Tollwutfälle gemeldet (Stand 31.07.2009)
 

In Bayern wird derzeit nicht mehr gegen die Tollwut geimpft.
 

Zur Kontrolle werden jährlich zwischen 2.000 und 3.000 Füchse und andere Wildtiere aus Bayern auf Tollwut untersucht.
 

GEFAHREN DURCH TOLLWUT IN OSTEUROPA UND IN DER 3. WELT
 

Die Tollwut in Westeuropa und Nordamerika ist vor allem durch Wildtiere geprägt (85% aller Fälle).
In Osteuropa ist die Tollwut noch weit verbreitet. Dabei halten sich die Wild- und Haustiere ungefähr die Waage (56 zu 46 %)
 

In Südamerika, Afrika und Asien sind zu über 90% die Überträger der Tollwut Haustiere (v.a. der Hund).
Dies sollte bei Urlaubsreisen beachtet werden.
 

Achtung:
Die Impfung der Haustiere ist nach wie vor zu empfehlen; wenn Hunde und Katzen mit auf die Urlaubsreise gehen ist sie ein Muss, denn außerhalb Deutschlands ist Tollwut noch weit verbreitet.
 

Weitere Informationen zu Tollwut finden Sie unter:
Bayer. Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Tropeninstitut München

Fit-for-travel

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Robert-Koch-Institut

Verbreitung der Tollwut in Europa